Internationale Finanzierung

Begriff des Euromarktes

 

Das Wort "Euro" bedeutet, dass durch Transaktionen, die am Euromarkt gehandelt werden, die Grenzen des eigenen Landes oder der eigenen Währung verlassen werden. Die meisten Anleger kommen also nicht aus dem Land, in dem sich die Institution befindet, die die Anleihe herausgibt oder aber die Währung ist eine andere als die des Herausgebers der Anleihe.

 

Wenn also ein deutsches Unternehmen eine Anleihe in Dollar oder Yen tätigt, dann handelt es sich um eine Euro-Anleihe. Ebenfalls handelt es sich um eine Euro-Anleihe, wenn ein deutsches Unternehmen sich von Bürgern anderer Staaten Geld leiht. (Der Begriff „Euro-Markt“ hat nichts mit der Währung „EURO“ zu tun, der Begriff „Euro-Markt“ ist auch deutlich älter.)

 

 

Euromarktzentren: London und Luxemburg

 

Der Euromarkt lässt sich keiner Stadt und keinem Land zuordnen.  Jedoch kann man von so genannten Euromarktzentren sprechen, weil an diesen Orten die meisten Eurogeschäfte getätigt werden. Diese Euromarktzentren sind London und Luxem-burg. Die meisten Teilnehmer des Euromarktes sind in London ansässig  und die meisten der gehandelten Wertpapiere werden an den Börsen in London und in Lu-xemburg notiert.

 

London hat durch seine geschichtliche Entwicklung eine starke Beziehung zu den USA und zu den ehemaligen Kolonialländern (einige davon sind die heutigen OPEC-Staaten). London ist heute das wichtigste internationale Finanzzentrum der Welt.

 

Während sich die Bedeutung Londons vor allem geschichtlich erklärt, ist Luxemburg  vor allem wegen seiner günstigen Rahmenbedingungen zum anderen bedeutenden Euromarktzentrum geworden. Zu diesen Rahmenbedingungen zählen vor allem die günstige zentrale Lage in Westeuropa, die niedrigen Steuern, die Niederlassungs-freiheit und das strenge Bankgeheimnis.

 

Außerhalb Europas gibt es noch wichtige Euromarktzentren in Amerika (Bahamas, Cayman Islands, Bermudas, Barbados und USA) sowie in Japan.

 

 

 

 

 

 

 

Entstehungsgeschichte des Euromarktes

 

Der Euromarkt entstand Anfang der sechziger Jahre, als Emittenten versuchten, gesetzliche Bestimmungen in den Vereinigten Staaten zu umgehen. (Das Wort "Emittent" kommt vom lateinischen Wort "emittere" und bedeutet wörtlich "heraus-schicken". Ein Emittent ist also jemand, der eine Anleihe "herausschickt" oder "be-gibt").

 

Zunächst hatten sich diese Emittenten in den USA aufgrund des niedrigen Zins-niveaus durch so genannte "Yankee-Anleihen" Geld geliehen. Als jedoch die amerikanische Regierung den Kauf dieser Anleihen mit einer Steuer belegte, brach dieser Markt zusammen, da es für den Amerikaner nicht mehr attraktiv war, sein Geld in diesen Anleihen anzulegen. Die Emittenten wichen nach London aus, um sich dort unbehelligt von der amerikanischen Sondersteuer Geld zu leihen. Dies war der Beginn des Euromarktes.

 

 

Segmente des Euromarktes

 

Man unterscheidet drei Segmente: den Eurogeldmarkt, den Eurokreditmarkt und den Eurokapitalmarkt.

 

Der Eurogeldmarkt umfasst den Handel mit kurzfristigen Eurogeldern (Termingel-dern) und Eurogeldpapieren wie z. B. Euro-Notes und Commercial Papers.

 

Auf dem Eurokreditmarkt und dem Eurokapitalmarkt besorgen sich Institutionen lang-fristig Kapital. Der Unterschied zwischen den beiden Formen besteht darin, dass die Instrumente auf dem Eurokapitalmarkt durch Wertpapiere verbrieft sind.

 

Bedeutung des Euromarktes

 

Die Bedeutung des Euromarktes ist hoch. 1963 betrug das Volumen für Anleihen am Eurokapitalmarkt noch insgesamt 75 Millionen Dollar. Heute beläuft sich das Emis-sionsvolumen für Anleihen auf mehr als 400 Milliarden Dollar.

 

Nicht nur das hohe Volumen macht den Euromarkt so bedeutend. Die Zins-Konditionen der Emissionen, speziell der Emissionen von großen internationalen Organisationen und Staaten, dienen als Richtgröße für die Zinsentwicklung.

 

Speziell der Eurogeldmarkt ist für die Banken bedeutend, da sie auf diesem Markt keine Mindestreserve bei der Deutschen Bundesbank halten müssen.

 

 

Institutionen am Euromarkt

 

Bei den Institutionen, die sich über dem Euromarkt finanzieren, handelt es sich in der Regel um namhafte internationale Konzerne, Regierungen und Institute wie z. B. die Weltbank.

 

 

Instrumente am Euromarkt (Auswahl)

 

Wir betrachten im folgenden eine Auswahl der Instrumente am Euromarkt: die Termingelder, die Euro-Notes, die Commercial Papers und die Roll-over-Kredite.

 

 

Eurogeldmarkt: Termingelder

 

Termingelder sind kurzfristig und damit dem Eurogeldmarkt zuzuordnen. Der Begriff "kurzfristig" bezieht sich auf Laufzeiten bis zu einem Jahr. Handel mit Termingeldern betreiben Geschäftsbanken, Zentralbanken, Makler und multinationale Unter-neh-men. Diese Marktteilnehmer fragen Termingelder nach, wenn sie einen kurzfristigen Liquiditätsbedarf decken wollen. Andere Marktteilnehmer bieten dieses Geld an, um aus einem kurzfristigen Liquiditätsüberschuss Gewinne zu erzielen.

 

Der wichtigste Zinssatz am Eurogeldmarkt ist der LIBOR (London Interbank Offered Rate.) Dies ist der Zinssatz zu dem am Londoner Bankenplatz international tätige Banken anderen Banken kurzfristige Kredite gewähren, bzw. anders herum betrach-tet, ihr Geld kurzfristig anlegen. Eine immer stärkere Bedeutung bekommt daneben der "EURI-BOR" = "European Interbank Offered Rate".

 

 

Eurogeldmarkt: Euro-Notes und Commercial Papers

 

Ebenfalls zum Eurogeldmarkt gehören die Euro-Notes und die Commercial Papers, da es sich hier um kurzfristige Wertpapiere handelt. Die Emittenten dieser Wert-papiere sind keine Banken, sondern vor allem erstklassige Industrieunternehmen. Bei Euro-Notes garantiert ein Bankenkonsortium durch eine so genannte Stand-by Linie, die notwendigen Geldmittel zur Verfügung zu stellen, falls es nicht gelingt die Euro-Notes an Anleger zu verkaufen.

 

Grundlage dieses Geschäftes ist ein Emittent mit langfristigem Kapitalbedarf. Der Emittent besorgt sich dieses Kapital immer wieder neu durch die kurzfristigen Euro-Notes (so genannte revolvierende Emission). Die Banken übernehmen eine Finan-zierungsgarantie, die dann zum Tragen kommt, wenn die Euro-Notes nicht bei Dritten plaziert werden können.  

 

Hier liegt der wesentliche Unterschied zu den Commercial Papers. Hier ist die Emi-ssion nicht durch die Banken abgesichert, es gibt also keine Stand-by Linie. Der Emittent trägt das Risiko, dass die Papiere nicht platziert werden können. Dafür ist die Emission der Commercial Papers für den Emittenten kostengünstiger als die Euro-Notes. Er muss keine Stand-by Provision bezahlen.

 

Eurokreditmarkt: Roll-over-Kredite

 

Der Roll-over-Kredit ist dem Eurokreditmarkt zuzuordnen. Es handelt sich also um ein längerfristiges Engagement. Bei einem Roll-over-Kredit stellen die Banken dem Kreditnehmer Geld mittel- bis langfristig zur Verfügung und beschaffen sich die dafür erforderlichen Mittel kurzfristig auf dem Eurogeldmarkt. Man spricht von Fristen-transformation. Die Zinsen für diesen Kredit werden periodisch angepasst. Bei dieser Anpassung orientieren sich die Banken an ihren kurzfristigen Finanzierungskosten auf dem Eurogeldmarkt. Somit hat die Fristentransformation zwei Komponenten. Einmal das Zinsänderungsrisiko, das der Kreditnehmer zu tragen hat. Wird das Geld am Eurogeldmarkt teurer, so geben die Banken dies über Zinserhöhungen an den Kreditnehmer weiter.

 

Zum zweiten das Liquiditätsrisiko. Dies ist das Risiko, dass die Banken das lang-fristig ausgeliehene Geld kurzfristig nicht am Eurogeldmarkt refinanzieren können. Dieses Risiko tragen die Banken. Es ist aber für erstklassige Banken unbedeutend, wenn ein sorgfältiger Liquiditätsplan erstellt wurde.

 

 

Roll-over-Kredite, Kosten

 

Die Kosten für Roll-over-Kredite orientieren sich stark am LIBOR. Aufgrund des starken Wettbewerbs unter den Banken liegen die Kosten nur ca. 0,5% über dem LIBOR (London Interbank Offered Rate) bzw. dem EURIBOR (European Interbank Offered Rate).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Außenhandelsfinanzierung, Formen (Auswahl), Überblick

 

Entsprechend der Struktur am Euromarkt schauen wir uns nun noch zwei spezielle Finanzierungsformen an. Wir können dabei grundsätzlich folgende drei Formen unterscheiden: kurzfristige Kredite, mittel- bis langfristige Kredite und Garantien.

 

 

Kurzfristige Kredite (bis zu 6 Monaten)

 

Als Formen der kurzfristigen Kredite kennen wir z.B. den Kontokorrentkredit, den Diskontkredit, den Akzeptkredit und den Rembourskredit. Wir betrachten hier genau-er den Rembourskredit als eine spezielle Form des Akzeptkredites.

 

 

Kurzfristig: Rembourskredit

 

Der Rembourskredit tritt in Verbindung mit einem Dokumentenakkreditiv auf. ("Rem-bourser", franz. bedeutet: "die Auslage zurückerstatten"). Wenn der Exporteur die Ware zum Spediteur gebracht hat und die Dokumente vorlegt, erhält er ein Bankakzept, das heißt einen von einer Bank akzeptierten Wechsel. Der Exporteur erhält also nach Übergabe der Dokumente seinen Exporterlös nicht in bar – wie im Nor-malfall beim Akkreditiv – sondern in Form eines Bankakzeptes.

 

Die häufigste Form dieser Kreditart ist, dass die eigene Hausbank des Exporteurs (Akkreditivstelle) dieses Akzept leistet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Häufig wird auch eine dritte Bank, die Remboursbank, eingeschaltet, um den Wech-sel zu akzeptieren. Auch in diesem Falle reicht der Exporteur die Dokumente zunächst bei seiner Hausbank ein. Diese Hausbank übernimmt es dann, der Rem-boursbank die Dokumente und den zu akzeptierenden Wechsel zuzuschicken. Die Remboursbank akzeptiert den Wechsel, schickt ihn an den Exporteur und leitet die Dokumente an die Bank des Importeurs weiter.

 

Der Exporteur kann das Bankakzept bis zur Fälligkeit aufbewahren, an einen Gläubiger als Zahlungsmittel weitergeben oder bei seiner Bank diskontieren.

 

 

Mittel- u. langfristige Kredite

 

Als Formen der mittel- und langfristigen Kredite kennen wir das Darlehen und die Forfaitierung. Letztere betrachten wir hier genauer.

 

 

Mittel- u. langfristig: Forfaitierung

 

Bei der Forfaitierung werden, wie beim Factoring, Forderungen verkauft. Forfaitie-rung ist also der Verkauf von Forderungen im Exportgeschäft. Der Exporteur, hier genannt Forfaitist, verkauft die Forderungen, die er gegenüber dem Importeur hat, an einen Forfaiteur. Als Forfaiteure agieren vor allem spezielle Tochtergesellschaften der Geschäftsbanken. Die Forfaiteure übernehmen mit dem Ankauf der Forderun-gen das komplette Ausfallrisiko.

 

 

 

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