Betriebswirt/in IHK: Kapitalbedarfsrechnung

 

Kapitalbedarfsrechnung und Liquiditätsplan, Sinn

 

Eine Kapitalbedarfsrechnung wird vorgenommen, wenn das Unternehmen gerade neu gegründet oder wenn es erweitert werden soll. Der Sinn einer Kapitalbedarfsrechnung ist es, sicherzustellen, dass die Liquidität gesichert ist, bis das Unternehmen einen Geldzufluss durch die ersten Umsätze hat. Einfacher gesagt: durch die Kapitalbedarfsrechnung wird sichergestellt, dass das Geld reicht, bis das Geld fließt.

 

Ein Liquiditätsplanung sollte hingegen ständig vorgenommen werden. Auch die Liquiditätsplanung dient der Liquiditätssicherung, aber diesmal geht es um die Liquidität im laufenden Geschäftsprozess. In einer Finanzplanung werden die Einzahlungen den Auszahlungen gegenübergestellt, um zu schauen, ob ein Li-quidtätsüberschuss oder ein Liquiditätsbedarf besteht.

 

Machmal wird in diesem Zusammenhang auch der Begriff „Finanzplan“ als Oberbegriff verwendet. Ein Finanzplan besteht also aus einer Kapitalbedarfs-rechnung und einem Liquiditätsplan.

 

Wir beginnen mit der Kapitalbedarfsrechnung.

 

 

Kapitalbedarfsrechnung, pauschale Methode

 

Eine einfache Methode, den Kapitalbedarf zu berechnen, besteht in folgender Formel:

 

 

Kapitalbedarf: Durchschn. tägliche Ausgaben  x  Kapitalbindungsdauer des UV

 

 

Wenn das Unternehmen also 1000 EUR durchschnittliche tägliche Ausgaben hat, und das Kapital im Umlaufvermögen (UV) 5 Tage gebunden ist, dann beträgt der Kapitalbedarf 5.000 EUR. Das Unternehmen braucht 5.000 EUR, um die Zeit bis zum Umsatzerlös zu überbrücken.

 

 

 

 

 

 

Kapitalbedarfsrechnung, differenzierte Methode

 

Gerade haben wir die Kapitalbindungsdauer des Umlaufvermögens pauschal mit einer Tageszahl angenommen. Nun berücksichtigen wir die unterschiedlichen Kapitalbindungsdauern, die die verschiedenen Bestandteile des Umlaufvermögens haben.

 

Die folgende Übersicht schlüsselt die verschiedenen Bestandteile des UV nach iher Bindungsdauer auf:

 

 

 

 

Durchschnittliche Lagerdauer der  Rohstoffe

Fertigungs-

dauer

Durchschnittliche Lagerdauer der Fertigerzeugnisse

Durchschnittliches Kundenzahlungsziel

 

Werkstoffe

Lieferantenziel

 

Fertigungslöhne

 

 

 

Gemeinkosten

 

 

 

 


Kapitalbedarfsrechnung, differenzierte Methode, Beispiel

 

Kapitalbedarf:

 

Roh- Hilfs- und Betriebsstoffe: 1.000 EUR/Tag

 

Fertigungslöhne 450 EUR/Tag

 

Gemeinkosten 600 EUR/Tag

 

Bindungsdauer:

 

Rohstofflagerdauer: 7 Tage, Fertigungsdauer: 3 Tage, Lagerdauer der Fertiger-zeugnisse: 2 Tage, Kundenzahlungsziel: 5 Tage, Lieferantenzahlungsziel: 10 Tage

 

 

 

 

 

 

 

 

Lösung: benötigter Kapitalbedarf

 

 

Rohstoffe: (7 – 10 + 3 + 2 + 5) x 1.000 EUR =              7.000 EUR

 

Fertigungslöhne: (3 + 2 + 5) x 450 EUR =                   4.500 EUR

 

Gemeinkosten: (7 + 3 + 2 + 5) x 600 =                                     10.200 EUR

 

Gesamtbedarf:                                                                  21.700 EUR     

 

 

Anmerkung: Hier werden die Fertigungslöhne als komplett variable Kosten ange-nommen. Unterstellt man stattdessen fixe Gehälter, die auch gezahlt werden müs-sen, wenn noch auf das Material gewartet wird, dann sieht die Tabelle wie folgt aus:

 

 

 

 

Durchschnittliche Lagerdauer der  Rohstoffe

Fertigungs-

dauer

Durchschnittliche Lagerdauer der Fertigerzeugnisse

Durchschnittliches Kundenzahlungsziel

 

Werkstoffe

Lieferantenziel

 

Gehälter

 

 

Gemeinkosten

 

 

 

 

Die neue Lösung sieht dann wie folgt aus:

 

Rohstoffe: (7 – 10 + 3 + 2 + 5) x 1.000 EUR =              7.000 EUR

 

Gehälter: (7 + 3 + 2 + 5) x 450 EUR =                           7.650 EUR

 

Gemeinkosten: (7 + 3 + 2 + 5) x 600 =                                     10.200 EUR

 

Gesamtbedarf:                                                                  24.850 EUR     

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Liquiditätsplan, Grundaufgabe

 

Der Liquiditätsplan dient der laufenden Liquiditätssicherung. Er wird manchmal auch begrifflich mit dem Finanzplan gleichgesetzt. In ihm werden alle laufenden Auszah-lungen und Einzahlungen der Betrachtungsperiode gegenübergestellt.

 

Ist die Summe der Auszahlungen größer als die Summe der Einzahlungen, besteht ein Liquiditätsbedarf in dieser Höhe. Das Unternehmen sollte sich rechtzeitig voraus-schauend darum bemühen, diesen Liquiditätsbedarf sicher zu stellen, zum Beispiel durch einen Überziehungsrahmen, den man sich von der Bank einräumen lässt.

 

 

 

Liquiditätsplan, Bedeutung

 

Der Liquiditätsplan sichert die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens. Zahlungsun-fähigkeit kann zu dauerhafter Insolvenz führen.

 

Insolvenzverschleppung ist ein strafbarer Tatbestand. Sie liegt vor, wenn man – ab dem Zeitpunkt der Insolvenz – nicht spätesten innerhalb von drei Wochen Insolvenz-antrag stellt.  Wer dies nicht tut, kann wegen Insolvenzverschleppung mit einer Frei-heitsstrafe von bis zu drei Jahren oder Geldstrafe verurteilt werden. Dies gilt ins-besondere für die GmbH nach § 84 GmbH-Gesetz.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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