
Es war Februar 1865. Es war eine Sternstunde der Wissenschaft. Es war der Tag – an dem Niemand etwas merkte….
Gregor Mendel, ein Mönch, hatte in einem Klostergarten in Brünn (Tschechien) mit Erbsen experimentiert und dies über Jahre und mit großer Akribie und Sorgfalt. Mit dem Pinsel holte Mendel Pollen aus den kleinsten Blüten heraus und bestäubte damit andere Blüten. Damit die Blüte nicht durch Wind oder Insekten noch anders bestäubt werden konnte, band er Tüllsäckchen um jede Blüte. Später errechnete ein Mathematiker, dass er für seine Forschung mindestens 40.000 Blüten und 300.000 Erbsen gezählt und eingeordnet haben muss.Georg Mendel fand auf diese Art und Weise die Vererbungsregeln heraus. Er entdeckte das, was wir heute als dominante und rezessive Erbanlagen kennen.
Im Februar 1865 schickte es einen Aufsatz über seine Erkenntnisse an verschiedene Universitätsprofessoren. Doch die machten sich noch nicht einmal die Mühe, seinen Aufsatz überhaupt zu lesen. Ein Mönch, der in einem Klostergarten mit Erbsen experimentiert hatte und glaubte, Vererbungsregeln herausgefunden zu haben – lächerlich! Am 08. Februar 1865 hielt Mendel einen Vortrag vor dem örtlichen Naturforschenden Verein. Und auch hier: Niemand merkte, dass er gerade einer Sternstunde beigewohnt hatte.
Und da frage ich mich: Was würde heute passieren, wenn – sagen wir mal ein Vagabund – uns bahnbrechende Erkenntnisse über irgendein Gebiet vermitteln wollte. Würden wir hinhören?
(Text in teilweiser Anlehnung an "Die Erbschaft in der Erbse" von Gregor Mendel, aus simplify Wissen, Ausgabe vom Februar 2010, S. 3)


