Corporate Governance

Der Grundgedanke von Corporate Governance ist die Frage, wie die Zuständigkeiten und Verfügungsrechte im Unternehmen optimal verteilt werden sollen, damit die Untenehmensführung und –kontrolle erfolgreich ist.

 

Corporate Governance bezieht sich vor allem auf Großunternehmen, weil hier die Leitung und das Risiko sich auf zwei verschiedene Gruppen verteilen: während der Vorstand leitet, tragen die Eigenkapitalgeber das Risiko.

 

In diesem Zusammenhang spricht man auch vom Prinzipal-Agent-Ansatz. Die Eigen-kapitalgeber (= Prinzipale, Geschäftsherren) übertragen die Leitungskompetenz an einen oder mehrere Geschäftsführer (Agents). Dieser Prinzipal-Agent-Ansatz ist vor allem typisch für Aktiengesellschaften mit den Aktionären als den Prinzipalen und dem Vorstand als Agents.

 

 

 

Häufiges Scheitern des Prinzipal-Agent-Ansatzes

 

In vielen Fällen scheitert der Prinzipal-Agent-Ansatz. Der Vorstand ist entweder un-fähig oder unwillig, die Interessen der Aktionäre zu vertreten. Besonders der Fall der Unwilligkeit ist interessant. Eine Insolvenz des Unternehmens führt zwar zum Total-verlust bei den Eigenkapitalgebern, schadet aber oft dem verantwortlichen Vorstand überhaupt nicht, z. B. dann, wenn er sich rechtzeitig mit einer großzügigen Ab-findung verabschiedet. Dies ist der Grund, warum man in den letzten Jahren sehr viel Energie investiert hat, um die Unternehmensführung durch bessere Verteilung der Verfügungsrechte zu verbessern.

 

 

 

Gestaltungsfelder u. Instrumente der Cor. Governance, Überblick

 

 

Ausgehend von der Frage, wie die Verfügungsrechte optimal verteilt werden, damit die Unternehmensführung erfolgreich ist, zeigt die folgende Übersicht die Gestal-tungsfelder und Instrumente:

 

(Übersicht entnommen aus Wöhe, Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre)

 

 

 

 

 

Gestaltungsfeld (1): Strukturen, Prozesse und Personen

 

Im Rahmen dieses ersten Gestaltungsfeldes könnte zum Beispiel die Gewalten-teilung verbessert werden, z. B. dadurch, dass bestimmte Beschlüsse zwingend die Zustimmung des Aufsichtsrates brauchen. Auch können positive und negative An-reizsyysteme geschaffen werden. Ein positives Anreizsystem kann eine Erfolgsbe-teiligung des Vorstandes sein, ein negatives kann durch Haftungsvorschriften geschaffen werden. Der Gesetzgeber hat außerdem den Vorstand in § 91 (2) AktG dazu verpflichtet, ein Risikoüberwachungssystem einzurichten, damit existenz-gefährdende Risiken möglichst früh erkannt werden können. Der Vorstand muss außerdem den Aufsichtsrat über Risiken großer Tragweite informieren und das Risikoüberwachungssystem im Lagebericht dokumentieren.

 

 

 

 

 

 

 

Gestaltungsfeld (2): Transparenz

 

Eine zentrale Rolle nimmt das zweite Gestaltungsfeld ein: die Transparenz. Der Vorstand ist verpflichtet, den Jahresabschluss zu veröffentlichen. Damit gelangt der Jahresabschluss auch in die Hände von Rating-Agenturen und Aktienanalysten. Wenn diese Institutionen Zweifel an der Geschäftsführung anmelden, könnten z. B. Kapitalerhöhungen und auch die Fremdkapitalbeschaffung für den Vorstand schwie-rig werden.

 

 

Gestaltungsfeld (3): Kontrolle

 

Im dritten Gestaltungsfeld, der Kontrolle, unterscheidet man zwischen der Kontrolle durch den Markt und der Kontrolle durch Institutionen. Mit der Kontrolle durch den Markt ist gemeint, dass Fremd- und Eigenkapitalgeber in der Regel sehr sensibel reagieren, wenn sie nicht umfassend informiert werden. So sorgt der Kapitalmarkt selber für eine entsprechende Kontrolle der Unternehmenspolitik.

 

Die Kontrolle durch Institutionen wird in Deutschland wesentlich durch den Auf-sichtsrat und durch den Wirtschaftsprüfer vorgenommen. Der Vorstand ist – wie schon erwähnt – verpfllchtet, ein Risikoüberwachungssystem zu installieren. Der Wirtschaftsprüfer muss dieses System begutachten und den Jahresabschluss ins-gesamt prüfen und genehmigen.

 

 

Unternehmensethik, Corporate Ethics, Gründe

 

In den letzten Jahren ist auch der Druck auf Unternehmen gewachsen, ihrem Han-deln ethische Grundsätze zu geben. Hierzu haben sicher ein verstärktes Bewusst-sein in der Bevölkerung und das Internet beigetragen. Wer heute in einem Internet-Blog wahrheitsgemäß über unethische Vorgehensweisen von Unternehmen be-richtet, kann vom Unternehmen nicht gestoppt werden. Er erreicht eine große Leser-schaft.

 

 

 

Unternehmensethik, Corporate Ethics, Schlüsselwort

 

Im Zusammenhang mit Unternehmensethik spielt das Wort „fair“ eine große Rolle. Faire Preise, faire Entlohnung der Mitarbeiter, fairer Behandlung der Wettbewerber sind Grundsätze einer ethischen Ausrichtung des Unternehmens. Weitere wichtige Schlüsselworte sind „Integrität“ und „Verantwortung“.

 

 

 

 

 Mission-Statement und Vision

 

 

Oft werden diese ethischen Prinzipien im Rahmen einer Unternehmensmission („Mission Statement“) formuliert.

 

Auch eine Vision wird gerne formuliert. Eine Vision ist in diesem Zusammenhang ein ehrgeiziges Unternehmensziel, das das Unternehmen langfristig (in etwa 5 Jahren) erreichen will.

 

Auf der Grundlage der Mission und der Vision haben sich verschiedene Ausdrucks-formen herausgebildet, die man – weil auch das modern ist –  gerne englisch formu-liert. Aus der Unternehmensidentität wird die Corporate Identity, die man durch das Corporate Design (Logo, Firmenfarbe, Briefpapier) nach außen kommuniziert. Der interne Umgang und auch der Umgang mit Kunden und Lieferanten wird gerne durch wohlklingende Ausdrücke wie Corporate Culture, Corporate Ethics und Corporate Communication umschrieben. Es ist schwer, diese Begriffe trennungsscharf vonein-ander abzugrenzen. Gemein ist ein auf Werten wie Fairness, Ehrlichkeit und Offen-heit basierendes Verhalten, sowohl intern, wie auch extern.

 

 

 

Unternehmensleitbild, Unternehmensphilosophie

 

Gerne formulieren Unternehmen auch ein bestimmtes Unternehmensleitbild, das als eine Art Grundgesetz des Unternehmens bestimmte Regeln festhalten soll. Man spricht hier auch von „Unternehmensphilosophie“.

 

 

 

Unternehmensleitbild, Erkennungsmerkmale, Ausdrucksformen

 

Wenn man Unternehmen genau beobachtet, kann man ein Unternehmensleitbild erkennen, selbst dann, wenn es nicht bewusst formuliert wird. Man achte auf die Normen, die im Unternehmen gelten und auf die (oft unbewussten) Rituale, das heißt die immer wiederkehrenden Verhaltensweisen zu bestimmten Anlässen, wie zum Beispiel Weihnachten oder Firmenjubiläen, Jahresauftaktversammlungen usw. Auch kann es sehr interessant sein, zu beobachten, wie intern und extern kommuniziert wird, wie geführt wird und welche Symbole (Logo) und Farben verwendet werden.

 

 

 

 

 

 

 

Unternehmensleitbild, Sinn

 

Was ist der Sinn? Warum betreiben Unternehmen diesen ganzen Aufwand? Sie erhoffen sich dadurch Motivation der Mitarbeiter und dass sie sich mit dem Unter-nehmen identifizieren. Auch im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit verspricht man sich durch  Kommunizieren eines Unternehmensleitbildes Vorteile. Man hofft auf ein gutes Image in der Bevölkerung.

 

 

 

Unternehmensleitbild, Entwicklung, Anforderungen

 

Wie entwickelt man ein Unternehmensleitbild? Bestimmte Grundregeln sollten be-achtet werden: Da ein Unternehmensleitbild einfach und verständlich sein sollte, ist das „KISS-Prinzip“ eine gute Leitlinie. Es steht für „keep it simple and stupid“. Weitere Anforderungen sind, dass das Leitbild ganzheitlich sein soll, also nicht nur einseitig z. B. auf Gewinnmaximierung ausgerichtet, sondern alle Interessen inte-grierend. Die formulierten Prinzipien sollten ethisch fundiert sein und – natürlich – muss das Unternehmensleitbild jedem Mitarbeiter bekannt sein, sonst entfaltet es wenig Nutzen.

 

 

 

Unternehmensleitbild, Entwicklung, Analysefragen

 

Wenn nun die Aufgabe lautet, ein Unternehmensleitbild zu entwickeln, sollten be-stimmte Fragen beantwortet werden, wie z. B.

 

Was verkaufen wir wirklich? (Der Kunde will keinen Bohrer, sondern Löcher!)

 

Welche Werte vertreten und leben wir? (Was ist historisch gewachsen?)

 

Wo wollen wir hin? (Was ist unser strategisches Ziel = unsere Vision?)

 

Was unterscheidet uns vom Wettbewerb? (Wo liegen unsere besonderen Stärken?)

 

Wie werden wir von anderen gesehen? (Wie ist unser Image bisher, wofür stehen wir?)

 

Wer sind unsere Zielgruppen? (Für wen sind wir da?)

 

 

 

 

 

 

Unternehmensleitlinien, Unternehmensphilosophie, Beispiel

 

Darauf aufbauend, könnten die Unternehmensleitlinien z. B. so aussehen:

 

 

 

 

Unternehmensleitlinien, Weiteres praktisches Beispiel

 

 
 

 

      Fairness ist ein Gebot gegenüber jedermann im Unternehmen.

 

                     Wir achten und fördern uns gegenseitig.

 

   Vereinbarungen werden in einem Klima des Vertrauens eingehalten.

 

      Lob, Anerkennung und Kritikfähigkeit sollen unser Betriebsklima

      bestimmen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Diese vier Sätze sind zitiert aus den Unternehmensleitlinien eines real existierenden Unternehmens. Es handelt sich um…… Lidl!

 

 

 

 

 

 

 

Zur Erinnerung: Lidl geriet im März 2008 in die Schlagzeilen, weil es seine Mitarbei-ter über einen längeren Zeitraum systematisch mit Miniaturkameras bewacht und be-spitzelt hatte. Außerdem wurden ständige Taschenkontrollen und stundenlange Ver-höre bekannt, die das Unternehmen bei seinen Mitarbeitern vornahm.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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