Archiv der Kategorie: Betriebswirt IHK

Bewerbung: andere Länder, andere (ungeschriebene) Regeln

Eine globalisierte Welt führt dazu, dass sich viele Menschen nicht nur in ihrem eigenen Land, sondern auch in fremden Ländern bewerben. Hierzu muss man wissen, dass sich die (ungeschriebenen) Regeln teilweise deutlich von den deutschen unterscheiden. Nur, wer sie kennt, hat eine Chance. So ist zum Beispiel die Regel, dass man den Lebenslauf unterschreiben muss, eine deutsche Eigenart, die anderswo unüblich ist.

Frankreich

In Frankreich erwartet man in den meisten Fällen ein handschriftliches (!) Anschreiben. Was in Deutschland wohl zum sofortigen Ausschluss führen würde, ist in Frankreich oft die Grundlage eines grafologischen Gutachtens, dem man dort generell eine hohe Bedeutung beimisst. Dafür ist der Lebenslauf viel formloser: keine Überschrift, keine Unterschrift, kein Datum. Auch die in Deutschland übliche Bewerbungsmappe ist dort unbekannt. Man faltet die Unterlagen und steckt sie in den Umschlag. Fertig!

Großbritannien

In Großbritannien (und auch in den USA) legt man großen Wert auf persönliche Empfehlungen, so genannte Referenzschreiben. Gerne fragt man beim Referenzgeber persönlich nach. Wer sich also in diesen Ländern bewerben will, der tut gut daran, sich von "seinem" Professor, "seinem" Ex-Chef oder auch von Geschäftspartnern eine Referenz zu besorgen. Generell spielt in Großbritannien das persönliche Bewerbungsgespräch eine größere Rolle, als die Bewerbung an sich. Man lädt dort mehr Bewerber zum Bewerbungsgespräch ein, als in Deutschland. Anders gesagt: die Einladung zum Bewerbungsgespräch hat nicht die Bedeutung, die man ihr im Deutschland zumessen würde, da (fast) alle Bewerber eingeladen werden.

USA

In den USA fürchtet jedes Unternehmen Schadensersatzprozesse. Und wie man weiß, ist ja der Begriff "Schadensersatz" in den USA anders definiert, als in Deutschland und meint in erster Linie die Bestrafung des Schädigers. Aus diesem Grunde muss man persönliche Details im Lebenslauf weglassen, wie zum Beispiel ausführlichere Angaben zu Kinderzahl, Religion, Gesundheit, Charakter usw. Kein Unternehmen hat Lust, sich wegen angeblicher Diskrimierung verklagen zu lassen. Da schickt man die Unterlagen lieber ungeprüft zurück. Im Bewerbungsgespräch spielt der Faktor "Emotion" eine große Rolle, jedenfalls eine größere als in Deutschland. Zeigen Sie Ihre Begeisterung für das Unternehmen, bei dem Sie sich bewerben.

Niederlande, China, Österreich

In China tritt man bescheiden auf. Erfolge werden eher angedeutet, denn protzig herausgestellt. In den Niederlanden darf der Lebenslauf auch mal länger als zwei Seiten sein und in Österreich, einer sehr formalen Kultur, spreche man die Gesprächspartnerin bitte immer mit "Frau Magister" an, wenn Sie sich so vorgestellt hat.

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(Text in teilweiser Anlehnung an Martin Wehrle, Lexikon der Karriereirrtümer)

Bis zum nächsten Mal, viele Grüße

Marius Ebert

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Dr. Ebert Kolleg

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Der Kunde will keinen Bohrer… (Jeder nickt, kaum einer tut es)

Der Spruch ist wahrscheinlich Jedem bekannt: "Der Kunde will keinen Bohrer, sondern Löcher". Aber die Umsetzung scheint bei vielen Unternehmen nicht vorhanden zu sein. So jedenfalls erkläre ich es mir, dass der "Trendletter" immer mal wieder in Fallstudien auf solche Unternehmen hinweist, die genau das leben. Diesmal ist es die Firma Erco.

Jahreslang schöne Lampen produziert, dann dreist kopiert worden

Über viele Jahre produzierte die Firma Erco schöne, hochpreisige Lampen. Bis die Chinesen kamen und diese Lampen dreist kopierten und für einen Bruchteil des Preises anboten. Bei Erco kam man zu der Erkenntnis: mit  der Hardware (also die Lampen alleine) ist man nicht mehr konkurrenzfähig. Daraufhin änderte man das Geschäftsmodell. Fortan war das Alleinstellungsmerkmal von Erco nicht mehr die hochpreisige und hochwertige "Hardware", sondern die Steuerungsintelligenz dafür. Man wurde zum Spezialisten für rechnergesteuerte Lichtnetzwerke und schaffte für jeden Bedarf er Kunden die perfekte Licht-Stimmung.

Erfolgsbeispiele

Im Laufe dieser Spezialisierung auf ein zentrales Grundbedürfnis (perfekte Ausleuchtung) bekam man den Auftrag, alle Läden der Modekette Zara auszuleuchten, den Pariser Louvre, das BMW-Werk Leibzig und das Gebäude der New York Times. Erco ist Weltmarktführer bei der Ausleuchtung von Museen. Praktisch schuf Erco durch die neue Ausrichtung einen neuen Markt, den Niemand bisher in dieser Form bedient hatte. Gleichzeitig stieg man aus dem Preiswettbewerb aus, denn der Durchschnittspreis der typischen Leuchte konnte um das Fünffache erhöht werden. Und damit ist diese Fallstudie ein weiteres Beispiel, dafür, dass der Wettbewerb "nicht immer nur über den Preis stattfindet" (vgl. dazu die vorherige Beiträge in diesem Blog).

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(Text in Anlehnung an den Artikel "Fallstudie Erco: Statt Lampen die perfekte Stimmung verkaufen", im trendletter 01/2008, Seite 7)

Bis zum nächsten Mal, viele Grüße

Marius Ebert

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Preispolitik: richtig oder gar nicht (Teil 2)

Ausgangspunkt dieses zweiteiligen Beitrages war der Einwand eines Seminarteilnehmers. Er sagte: "Der Wettbewerb findet heutzutage doch nur noch über den Preis statt" und bezog sich damit vor allem auf die Lebensmittelbranche, in der er arbeitet. In diesem Beitrag wollen wir einen weiteren Fall studieren, der Alternativen zur Preispolitik zeigt.

Ein Drittel reicht

Aus der Marktforschung weiß man, dass tatsächlich für zwei Drittel der Deutschen, "gut einkaufen" gleichzusetzen ist mit  "besonders billig einkaufen". Im REWE-Center in Altenstadt konzentrierte man sich auf das dritte Drittel, also auf Menschen, die nicht von Sonderangebot zu Sonderangebot hetzen, sondern die Wert auf guten Service und eine besondere Einkaufsatmosphäre setzen. Für diese Menschen ließ man sich in Altenstadt Einiges einfallen:

Service, Service, Service

Unter anderem trennte man sich von einigen Quadratmetern Verkaufsfläche und eröffnete mitten im Markt ein "Kommunikations- zentrum". Dort können die Kunden kostenlos Kaffee oder Tee trinken, sich über örtliche Veranstaltungen informieren, Kochrezepte ausdrucken und die Tageszeitung lesen. Auch kann man sich kostenlos die Schuhe putzen lassen. Wo immer die Gefahr bestand, dass sich Schlangen bilden konnten, entwickelte man ein Konzept, um den Kunden das Schlangestehen zu ersparen, zum Beispiel über eine Nummer, die der Kunde ziehen konnte.

Für Kinder wurde eine Kinderspielecke eingerichtet, damit die Eltern in Ruhe einkaufen können. Viele der Waren sind fertig als Geschenk verpackt.

Keine Sonderpreisaktionen

Seit man sich auf die serviceorientierten Kunden konzentriert, sind Sonderpreisaktionen bei REWE in Altenburg abgeschafft. Man ist der Meinung, dass man damit sowieso keine Stammkunden gewinnt und die Aktionen selber sehr teuer sind, da sie durch Anzeigen oder Handzettel bekannt gemacht werden müssen und die niedrigen Preise subven- tioniert werden müssen. Stattdessen gibt man lieber kostenlos Kaffee oder Tee aus. Und außerdem bringen bestimmte Service-Aktionen, wie die Eröffnung einer Hundebar, kostenlos so viel PR, wie man es mit Geld gar nicht bezahlen kann.

Die Erfolge

Auch hier wieder wurden die Regeln der Branche schwer verletzt. Allein die Idee, aus Verkaufsfläche Servicefläche zu machen, statt aus jedem Quadratmeter das letzte an Umsatz herauszupressen, hätte so manchem gestandenen Manager die Schweißperlen auf die Stirn getrieben und zu dem Ausruf: "Wie kann man nur!" veranlasst.

Tatsache ist jedoch: Das REWE-Center in Altenstadt ist heute vor Ort mit Abstand Marktführer und seit Einführung der Serviceaktionen hat sich der Umsatz verdoppelt. Gemessen an den üblichen Kennzahlen der Branche liegt das REWE-Center aus Altenburg bundesweit in der Spitzengruppe, und dies obwohl (oder sollte man besser sagen, weil) man dort gegen alle Regeln der Branche verstieß.

 

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(Text teilweise gestützt auf die Darstellung des REWE-Centers Altenburg im Buch "Das neue 1x! der Erfolgsstrategie" von Friedrich, Seiwert, Geffroy)

Bis zum nächsten Mal, viele Grüße

Marius Ebert

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Preispolitik: richtig oder gar nicht

"Wettbewerb findet heutzutage nur noch über den Preis statt". So sagte es ein Seminarteilnehmer zu mir. Er kommt aus der Lebensmittelbranche und dies ist in der Tat eine Branche, wo sehr viel über den Preis geredet wird.

Gibt es also keine Alternativen?

Supermarkt der Generationen

Edeka begann 2005 in Nordbayern-Sachsen-Thüringen mit dem "Supermarkt der Generationen". Das erste Geschäft wurde in Chemnitz umgestellt. Plötzlich waren die Gänge breiter und nicht mehr mit Produkten zugestellt. Ein rutschfester Belag wurde ausgelegt. Die Etiketten sind besonders groß und die Waage sagt das Gewicht an. An den Regalen hängen Lupen  – wenn jemand das Kleingedruckte auf den Verpackungen lesen möchte. Die Regale selber sind nur 1,60 hoch.

An allen "neuralgischen Punkten", wie zum Beispiel der Leergut-Annahme kann ein Service-Knopf betätigt werden und ein Angestellter kommt sofort, um zu helfen. Bänke und Zeitungen laden dazu ein, mal Pause beim Einkaufen zu machen. Diese vielen Kleinigkeiten ergeben zusammen ein Konzept. Der Supermarkt spricht ältere Menschen an, ohne sie als "Senioren" zu bezeichnen. Man hatte sich in die Zielgruppe hinein gedacht und ihre Bedürfnisse erkannt.

Ein wenig besser. Aber an den entscheidenden Punkten

Wer die Engpass-konzentrierte-Strategie (EKS) kennt, der sieht sofort, um was es geht. Man entwickle ein Konzept, das sich auf die brennenden Bedürfnisse einer vorher genau segmentierten Zielgruppe konzentriert. Das immer wieder Faszinierende daran ist: es genügt, überhaupt ein Konzept zu haben, da die Wettbewerber – bezogen auf die Zielgruppe und das brennende Bedürfnis – völlig ohne ein solches Konzept dastehen.

Ich fragte also meinen Seminarteilnehmer, ob die oben eingeführten Elemente, wie rutschfester Belag usw. besonders teuer gewesen seien, was er verneinte. Man müsse nur das Budget für die Ladenausstattung ein bisschen umschichten, dann seien dies ohne hohe Mehrkosten zu machen. Teuer sei natürlich der einmalige Umbau, aber wenn man dies machen würde, wenn die nächste Renovierung sowieso ansteht, dann nicht.

Und nun war er auf das Ergebnis der Aktion gespannt.

Das Ergebnis:

Nachdem die Filialen umgebaut waren, verzeichnete man 1000 Einkäufe mehr in der Woche. Der Betrag auf dem Durchschnittsbon war um 2 EUR höher, als vorher. Preispolitik? "Wir konnten auch wohlhabende Kunden zu uns locken", sagt die Edeka-Sprecherin Ulrike Stöcker. Solche Kunden zahlen erfahrungsgemäß gerne etwas mehr, wenn sie sich beim Kauf so wohl fühlen, wie im "Supermarkt der Generationen".

Preispolitik: richtig oder gar nicht

Und so scheint mir Preispolitik ein Instrument zu sein, das man entweder völlig konsequent anwendet, so wie Aldi es uns vorgemacht hat. Dann aber braucht man große finanzielle Kraft. Wer jedoch die Preispolitik in der Branche mitmacht, "weil der Wettbewerb ja nur noch über den Preis stattfindet", der wird zu Fantasielosigkeit und Stress geradezu verdammt.

Dann lasse man es doch und konzentriere sich auf das brennende Bedürfnis einer ("seiner") Zielgruppe.

(Text teilweise gestützt auf die Darstellung des Edeka-Fallbeispiels in brand eins, April 2009)

Bis zum nächsten Mal, viele Grüße

Marius Ebert

535-03

 

Netto-Einkommen in Deutschland (zur Lage der Nation)

Die Schätzungen

Der Berliner Politikwissenschaftler Klaus Schroeder (Freie Universität Berlin) macht gern ein kleines Experiment in seinem Bekanntenkreis und bei seinen Studenten. Er fragt: "Wie viel Haushaltsnettoeinkommen im Monat ist nötig, um zu den reichsten fünf Prozent in Deutschland zu gehören?"

Er erzählt: "Dann kommen oft Zahlen wie 50.000 EUR, 75.000 EUR und mehr – im Monat wohlgemerkt. Die Realisten schätzen 15.000 EUR.

In Wirklichkeit sind es etwa 5.000 EUR ( in Worten: fünftausend)."

Die Studie aus der Wirtschaftswoche

Die Wirtschaftswoche hat sich ebenfalls dem Thema angenommen und zwar in einem Sonderheft mit dem Titel "Armes Deutschland?, Eine Untersuchung über Einkommen, Vermögen, Lebensqualität und soziale Gerechtigkeit." Hier sind die Zahlen laut Statistischem Bundesamt, bezogen auf das Jahr 2006:

Westdeutscher Arbeiter (Single): 1.531 EUR netto

Westdeutsche Arbeiter-Familie (Ehepaar mit zwei Kindern): 2002 EUR netto

Westdeutscher Angestellter (Single): 1.796 EUR netto

Westdeutsche Angestellten-Familie (Ehepaar mit zwei Kindern): 2.524 EUR netto

Starke Unterschiede zu Ostdeutschland

Ostdeutscher Arbeiter (Single): 1.019 EUR netto

Ostdeutsche Arbeiter-Familie (Ehepaar mit zwei Kindern): 1.359 EUR netto

Ostdeutscher Angestellter (Single): 1.054 EUR netto

Ostdeutsche Angestellten-Familie (Ehepaar mit zwei Kindern): 1.512 EUR netto

Eine Ostdeutsche Angestellten-Familie hat also fast genau 1.000 EUR netto weniger, als eine vergleichbare Familie aus Westdeutschland.

(Die Geschichte mit der Befragung von Prof. Schroeder habe ich entnommen aus dem Buch "Der Macht-Code" von Neumann und Ross)

Bis zum nächsten Mal,  viele Grüße

 

Marius Ebert

 

Wirtschaftsfachwirt/in: Konsequenzen aus dem alten und dem neuen Rahmenstoffplan

Für die Weiterbildung zum Wirtschaftsfachwirt/in gibt es einen neuen Rahmenstoffplan und eine neue Prüfungsordnung, die beide Ende dieses Jahres und Anfang des nächsten Jahres umgesetzt werden. Hier die wichtigsten Konsequenzen für unsere Teilnehmer und Interessenten:

Der Wirtschaftsfachwirt/in ist eine Generalistenausbildung. Das bleibt auch nach der neuen Prüfungsordnung so.

Ansonsten fällt zunächst auf, dass das Fach "Datenverarbeitung, Informations- und Kommunikationssysteme" im neuen Rahmenstoffplan fehlt.  Diese Änderung ist aber eher unbedeutend gegenüber der nun folgenden:

 

Zweitteilung der Prüfung

Der  neue Rahmenstoffplan und die neue Prüfungsordnung unterteilen in zwei Gebiete, nämlich "Wirtschaftsbezogene Qualifikationen" und "Handlungspezifische Qualifikationen"  Tückisch ist der § 3 (5) der Prüfungsordnung zum neuen Wirtschaftsfachwirt/in. Er bestimmt, dass die zweite Teilprüfung "Handlungs- spezifische Qualifikationen" erst nach Ablegen der Teilprüfung "Wirtschschaftsbezogene Qualifikationen" abgelegt werden kann. Die Prüfung besteht also aus zwei Teilprüfungen.

Die bedeutet, dass erst der erste Teil abgelegt, korrigiert und bewertet werden muss und dann – ein halbes Jahr später – die zweite Teilprüfung abgelegt werden kann.

 

Transferwissen gefordert

Ansonsten wird auch beim Wirtschaftsfachwirt/in – wie schon bei den anderen Berufsbildern des "Karriere mit Lehre"-Weges die Handlungsorientierung gefordert.  Im Rahmenplan heißt es dazu:  Bei der Ausbildung zum Wirtschaftsfachwirt soll darauf geachtet werden, dass der Stundenrahmen "für den Transfer von Wissen zum praxisbezogenen Handeln…" genutzt wird. Dies ist zu begrüßen, denn dadurch kann für diese Berufsbilder ein eigenes Profil gegenüber der universitären Ausbildung ausgeprägt werden. Dort die theoretisch/akademische, hier die handlungsorientiert/praktische Ausbildung.

 

Situationsbezogenes Fachgespräch mit Präsentation

Hier  muss der Kandidat nun nach der neuen Prüfungsordnung – anders als nach der alten – ein Thema vorbereitet und dem Prüfungsausschuss präsentiert werden. Dies verbirgt sich hinter der Formulierung "Situationsbezogenes Fachgespräch". Der Prüfling soll sich hier ein Thema möglichst aus seinem beruflichen Alltag wählen, hierzu eine Lösung entwickeln, diese präsentieren und verteidigen. Dieses Vorgehen ist aus anderen Berufsbildern – zum Beispiel Personalfachkauffrau/mann – lange bekannt und wird nun auch hier übernommen.

 

Konsequenzen

Wir werden, wegen der sehr unglücklichen zeitlichen Verzögerung durch die Zweiteilung,  im August unseren Lehrgang in München noch nach der alten Prüfungsordnung auf die Prüfung im November vorbereiten. Die Kammer München bietet zu diesem Termin Prüfungen letztmalig nach der alten Prüfungsordnung an und davon werden wir Gebrauch machen.

Wer also den schnelleren Weg mit einem Prüfungstermin, statt mit zweien nutzen möchte, der nutze am besten noch den Prüfungstermin im November dieses Jahres und beginnt das Seminar am 08.08.2009 in München.

Siehe auch: https://mariusebertsblog.com/2009/08/31/wirtschaftsfachwirtin-ihk-was-man-damit-machen-kann-neuer-rahmenstoffplan/

Bis zum nächsten Mal, viele Grüße

 

Marius Ebert

 

Unternehmenskulturen: Japan-USA-Deutschland

In einer globalisierten Welt wird es immer wichtiger, sich in fremden Kulturen zurecht zu finden. Bücher, die versuchen, die "ungeschriebenen Regeln" in verschiedenen Ländern zu erfassen, können daher sehr hilfreich sein. Hier ist so ein Buch: Hanns Blasius: Porsche-Toyota-General-Electric. Gute Unternehmensführung in Deutschland, Japan und den USA.

Beginnen wir gleich mit einer Zusammenfassung: "Der Japaner liebt sein Unternehmen, der Deutsche seinen Beruf, und der Amerikaner liebt das Geld, das er dafür bekommt, dass er einen Job macht – irgendeinen."

Nun betrachten wir, dem Autor folgendend, bestimmte betriebs- wirtschaftliche Themen und wie sie verstanden werden.

Erfolg

In den USA sei der Sharholder-Value das alles überrragende Merkmal für Erfolg. Es geht also  vor allem um Wertschöpfung für die Aktionäre. Damit ist die Ausrichtung eher kurzfristig, während in Japan die Qualität der Produkte und die Zufriedenheit der Kunden und der Mitarbeiter  die oberste Priorität. haben. Damit ist man in Japan längerfristiger ausgerichtet. Deutschland rangiert weder bei dem einen, noch bei dem anderen Extrem. Es liegt in der Wertung dieser beiden Faktoren etwa in der Mitte.

 

Entlassungen

Entlassungen haben in den USA etwas Selbstverständliches. Einstellungen werden leichter vorgenommen, weil auch die Entlassung leichter ist. Bis in die 90iger Jahre war diese Sichtweise in Japan undenkbar. Die Mitarbeiter waren das Unternehmen und eine lebenslange Beschäftigung die Regel. Auch hier liegt Deutschland wohl wieder so etwa in der Mitte. Einstellungen werden sorgfältig überlegt, weil Entlassungen schwierig sind. Sie sind aber sehr wohl möglich und werden dann auch vorgenommen, wohl nicht im Bewusstsein, dass man damit das Unternehmen auflöst, wie man es wohl in Japan sehen würde.

 

Arbeitsalltag

Die USA sind nach wie vor stark geprägt vom Taylorismus, also von Sir Frederick Taylor, der die Arbeit in kleine, beherrschbare und schnell erlernbare Schritte zerlegte. Es gibt eine kleine, gut ausgebildete Führungsschicht, die sich aus den immer gleichen Universitäten rekrutiert und eine große Belegschaft, die einfach Tätigkeiten nach exakten Beschreibungen ausübt. Das macht den Mitarbeiter jederzeit ersetzbar aber nicht innovativ. Verbesserungsvorschläge und Improvisation sind eher nicht erwünscht. Ganz anders in Japan. Dort begreifen sich die Mitarbeiter als integrierter Bestandteil des Unternehmens. Jeder Mitarbeiter übt sich in der Kunst des KAIZEN, der kontinuierlichen Verbesserung. Auch hier würde man Deutschland wohl einen Mitttelplatz zwischen den Extremen zuweisen.

(Beitrag in Anlehnung an "Die Welt", "Profit ist nicht das Maß aller Dinge", Karrierewelt vom 19.05.2007)

Bis zum nächsten Mal, viele Grüße

Marius Ebert

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Effizientes Lesen eines Lehrbuches

Frage

Frage: Im Studium muss man bekanntlich einige Bücher wälzen. Welche Methode können Sie empfehlen, um schneller aber gleichzeitig relativ gründlich Bücher zu lesen?

Antwort

Dr. Marius Ebert: Eine der besten Investitionen, die man während seines Studiums machen kann, ist ein Schnell-Lese-Training. Aber auch ohne ein solches Training gelten folgende Hinweise:

a) Sehr gezielt die Bücher auswählen, die man studieren möchte und dabei auf Verständlichkeit achten. Kleiner Test: Buch an irgendeiner Stelle aufschlagen und zu lesen beginnen. Wenn man so ungefähr versteht, um was es geht, kommt das Buch in die engere Wahl. Wenn nicht – weg damit! Nächster Test: Wie viele Verben verwendet der Autor ? Hat er die "Substantivitis"? Kostprobe: "Die Zurverfügungstellung der Außerachtlasung unter Berücksichtigung der Vorwegnahme…." Weg damit! Kommen stattdessen viele Verben vor, kommt das Buch in die engere Auswahl.

b) Fragen an den Text stellen: Was ist das zentrale Problem, die Grundidee, der Kerngedanke? Die wesentlichen Gedanken dazu herausschreiben.

c) Referent spielen. Stelle Dir beim Studium des Buches vor, Du hättest den Auftrag über dieses Thema ein Referat vor einer Gruppe zu halten. Du kannst Dir auch vorstellen, einen Freund erzählen zu wollen, um was es geht. Wenn Du Dir das vorstellst, selektiert Dein Gehirn automatisch die wichtigsten Gedanken und (noch wichtiger) die Zusammenhänge.

d) Gliederung aus dem Inhaltsverzeichnis kopieren und daneben legen. Sich immer wieder die Struktur klarmachen. Wo bin ich? Hauptpunkt oder Unterpunkt?, Zentraler Gedanke oder Detail?

e) Mind-Mapping nutzen. Es kostet ein bißchen Mühe, aber kaum etwas ist effektiver als das zu studierende Buch beim Lesen gleich als Mind-Map umzusetzen. Hier kann das Programm "Mind-Manager" helfen. Das kostet nicht viel und leistet hervorragende Dienste.

f) Und schließlich: Wer müde wird, der höre auf. Lieber in mehreren Intervallen lesen solange, bis man müde wird, als sich zu quälen.

Bis zum nächsten Mal, viele Grüße

Marius Ebert

535-03

 

Die „Ein-EURO-GmbH“ (Unternehmergesellschaft, UG) Teil 3

III. Nachteile der "Ein-EURO-GmbH"

Auf den ersten Blick wirkt die "Ein-EURO-GmbH" sehr attraktiv. Die Haftung ist auf das Gesellschaftsvermögen beschränkt und die Gründungskosten sind – standardisiertes Vorgehen vorausgesetzt – sehr niedrig. Was könnten einen Gründer von der "Ein-EURO-GmbH" abhalten?

Haftungsausschluss gibt es nicht umsonst

Eines darf man grundsätzlich nicht übersehen: Die Tatsache, dass nur das Gesellschaftsvermögen haftet und nicht das Privatvermögen der Gesellschafter, gibt es nicht umsonst. Sie muss quasi "erkauft" werden und zwar durch strenge Beachtung der gesetzlichen Auflagen und durch weitreichende Publizitätspflichten. Wenn nur das Gesellschaftsvermögen haftet, dann will der Gläubiger (z. B. der Lieferant) der GmbH auch genau wissen, wie die wirtschaftliche Lage der Gesellschaft ist, der er Ware gegen Rechnung liefern soll. Die GmbH muss also, wie jeder Kaufmann , bilanzieren, aber sie muss (weil sie Kapitalgescllschaft ist) die strengeren Vorschriften der §§ 264 ff. HGB beachten, während die Personen- gesellschaft nur bis § 263 HGB lesen muss.

Informationen über die GmbH online abrufbar

Von der "breiten Masse" noch weitgehend unbemerkt, hat sich hier in den letzten Jahren Einiges getan. Die Jahresabschlüsse der Kapitalgesellschaften sind – wenn auch teilweise in der gesetzlich erlaubten verkürzten Form und zeitlich verzögert – online abrufbar und zwar unter http://www.ebundesanzeiger.de. Wer seinen Abschluss nicht rechtzeitig einreicht, dem droht ein Bußgeld, das bei 2.500 EUR beginnt. Dies hat zur Folge, dass der Lieferant in wenigen Minuten die Bilanz der Gesellschaft einsehen und seine Schlüsse ziehen kann.

Bankkredit nicht ohne private Bürgschaft

Ein weiterer Nachteil ist, dass die Banken sehr zurückhaltend sein werden, was die Kreditvergabe angeht. Grundsätzlich wird die "Ein-EURO-GmbH" keinen Bankkredit ohne persönliche Bürgschaft der Gesellschafter bekommen – wodurch die private Haftung, die man ja ausschließen wollte – sich auf diesem Wege doch wieder einschleicht. Dies gilt schon bei einem simplen Überziehungskredit.

Und schließlich droht dem GmbH-Gesellschafter grundsätzlich immer die so genannte "Durchgriffshaftung", die es dem Gläubiger erlaubt – unter gewissen Bedingungen – doch wieder auf sein Privatvermögen durchzu- greifen, zum Beispiel dann, wenn der die gesetzlichen Vorschriften nicht einhält.

Und die Steuer?

Wir wir im letzten Beitrag gesehen haben, ist der Körperschaftssteuersatz mit nur noch 15% recht attraktiv. Aber die bilanziellen Vorschriften zu erfüllen überfordert den Unternehmen in der Regel (und bringt ihm keinen EURO Umsatz mehr), so dass er einen Steuerberater braucht, der Geld kostet. Die einfache Form, seine Steuerlast zu ermitteln, die so genannte Einnahmen-Überschuss-Rechnung ist ihm verwehrt. Er muss bilanzieren.

Ein letzter Blick auf weitere Formalitäten, wie die Festlegung des Geschäftsführer-Gehaltes, folgt im nächsten Beitrag.

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(Text in Anlehnung an: Ulrike Fulder, "UG haftungsbeschränkt", Beitrag im Handbuch für Selbständige und Unternehmer)

Bis zum nächsten Mal, viele Grüße Marius Ebert 535-03 Dr. Ebert Kolleg Am Kissel 7 53639 Königswinter Tel. 02223/90 59 75 Fax 02223/90 59 76 http://www.spasslerndenk.de [email protected] Add to Technorati Favorites

Die „Ein-EURO-GmbH“ (Unternehmergesellschaft, UG), Teil 2

II. Die Vorteile der "Ein-EURO-GmbH"

Wie der Name schon sagt: ein einziger EURO reicht aus, um das Stammkapital zu stellen. Die Gründung selber kann nach einem standardisierten Verfahren vorgenommen werden, was die Gründungs- kosten deutlich senkt. Im standardisierten Verfahren spricht man von einem so genannten Musterprotokoll (statt von einem Gesellschaftsvertrag).

Anwaltsgebühr

Für die Gebühren kommt es darauf an, für welches Stammkapital man sich tatsächlich entscheidet, denn der eine EURO ist ja nur das Mindest-Stammkapital. Bei zum Beispiel 5.000 EURO Stammkapital beträgt die Gebühr des Anwalts 391 EURO plus gesetzliche Mehrwertsteuer, wenn der Gründer eine individuelle Beratung in Anspruch nimmt und einen individuellen Gesellschaftsvertrag vom Anwalt konzipieren lässt.

Entscheidet er sich tatsächlich für den Mindestwert von einem EURO, dann wird der Anwalt mit dem Gründer eine von der Gebührenordnung abweichende Regelung treffen, denn seine Gebühren betrügen hier nur rund 30 EURO netto. Gar keine Anwaltsgebühren fallen an, wenn man sich für das standardisierte Verfahren, also das so genannte Musterprotokoll entscheidet. Dies ist immer dann sinnvoll, wenn es keine individuellen Regelungen braucht, zum Beispiel bei der Ein-Mann-GmbH, bei der Gesellschafter und Geschäftsführer ein und dieselbe Person sind.

Notar- und Registergebühr

Hinzu kommt die Notargebühr, die bei 5.000 EUR Stammkapital 98 EURO netto beträgt. Die Veröffentlichung im Handelsregister kostet in der neuen, elektronischen Form nur noch 1 EUR. Wer also mit 5.000 EUR Stammkapital nach Musterprotokoll gründet und damit auf die anwaltliche Beratung verzichtet, der zahlt insgesamt rund 170 EUR netto für die komplette Gründung.

Steuer

Ein weiterer Vorteil der GmbH ist der relativ geringe Körperschafts- steuer-Satz von 15%. Hinzu kommt aber noch die Gewerbesteuer, für die es keine Freibeträge gibt. Die Gesamt-Steuerbelastung liegt bei etwas unter 30 %. Das Geschäftsführer-Gehalt wird der Einkommensteuer unterworfen und unterliegt der individuellen Steuersituation des Empfängers (verheiratet oder nicht, Kinderzahl, Höhe des Einkommens der Ehefrau bei Ehegattensplitting usw.)

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(Text in Anlehnung an: Ulrike Fulder, "UG haftungsbeschränkt", Beitrag im Handbuch für Selbständige und Unternehmer)

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